Gibt es in Zukunft noch Seegfrörnen?

Neue Daten von Eis auf Schweizer Seen zeigen einen markanten Rückgang von Seegfrörnen im Schweizer Mittelland. Viele mittelgrosse Seen sind seit über 30 Jahren nie mehr ganz zugefroren. Durch den Klimawandel dürften Seegfrörnen zukünftig noch seltener werden.

Frozen Lake
Image : Pixabay

Die Kälte lässt auch in diesem Winter auf sich warten. Im Mittelland wurden bisher nur vereinzelte Eistage registriert, also Tage mit einer Maximaltemperatur unter dem Gefrierpunkt. Es überrascht deshalb nicht, dass noch keine grösseren Gewässer zugefroren sind.

Markant weniger Seegfrörnen

Hendricks Franssen und Scherrer haben im Jahr 2008 Daten zu Eis auf Schweizer Mittellandseen publiziert. Nun wurden sie bis in die Gegenwart aufdatiert. Sie zeigen ein deutliches Bild. Es gab in den letzten Jahrzehnten markant weniger Seegfrörnen, wie Abbildung 1 eindrücklich zeigt. Die grössten Abnahmen lassen sich bei mittelgrossen Seen, wie zum Beispiel beim Hallwiler- und Sempachersee, erkennen. Bis in die 1960er Jahre gab es an diesen Seen zwei bis vier Gfrörnen pro Jahrzehnt. Mit der Ausnahme der 1980er Jahre, sind die Gfrörnen an diesen Seen seitdem nicht mehr aufgetreten. Etwas weniger dramatisch ist die Abnahme bei kleineren, flacheren oder höher gelegenen Seen wie dem Pfäffikersee, Greifensee oder Ägerisee, aber auch hier wurden die Gfrörnen deutlich seltener. Grosse oder tiefe Seen, wie der Boden- und Zugersee frieren sehr selten zu, zum letzten Mal im strengen Winter 1962/63.

Klimawandel erklärt Abnahme

Die Schweiz hat sich in den letzten 150 Jahren um zwei Grad Celsius erwärmt und Kältewellen haben deutlich abgenommen. Da Seegfrörnen nur in extrem kalten Wintern auftreten, reagieren sie sehr sensitiv auf die Erwärmung und das Ausbleiben von starken Kältewellen. Somit erklärt die Klimaerwärmung sehr gut die markante Abnahme der Eisbedeckung auf den Schweizer Mittellandseen.

Was bringt die Zukunft?

Die Klimaerwärmung geht weiter. Die Temperaturen werden in den nächsten Jahrzehnten je nach Szenario um einige weitere Grad ansteigen. Forscher der ETH Zürich, der Universität Fribourg, des Forschungszentrum Jülich und der Academia Engiadina haben mit einem einfachen Modell berechnet, dass mittelgrosse Mittellandseen bis 2050 in extrem kalten Wintern weiterhin zufrieren könnten. Nach 2050 wird ein Zufrieren zunehmend unwahrscheinlicher. «Seegfrörnen» im Mittelland dürften dann zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.

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