• 25.04.2020
  • Communiqué de presse
  • Académies suisses des sciences

SCNAT-Präsident Marcel Tanner erhält Ehrendoktor der Universität Zürich

Marcel Tanner
Image: Universität Basel
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Marcel Tanner
Marcel Tanner (Image: Universität Basel)

Der Epidemiologe gehört zu den profiliertesten Gesundheitsexperten der Schweiz. Seine Beiträge zur globalen Gesundheit, Infektionsbiologie und Malariaforschung und zur Stärkung von Gesundheitssystemen speziell in Afrika und Asien machten ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Nun verleiht ihm die Universität Zürich die Ehrendoktorwürde.

Grosse Ehre für Marcel Tanner: Die Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich verleiht dem Präsidenten a.i. der Akademien der Wissenschaften Schweiz und Präsidenten der SCNAT sowie Direktor emeritus des Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Instituts einen Ehrendoktor in Anerkennung seines Einsatzes für die Gesundheit von Mensch und Tier (One Health) speziell in Ländern des globalen Südens. «In seiner Rolle als Direktor des Swiss TPH und in anderen zentralen Funktionen trug Marcel Tanner wesentlich zur Verbindung von Human- und Veterinärmedizin mit der Weiterentwicklung des One-Health-Konzeptes bei – was auch zur spürbaren Verbesserung der Gesundheit gerade der ärmsten Bevölkerungsschichten in Entwicklungs- und Schwellenländern führte», sagt der Dekan der Vetsuisse-Fakultät, Roger Stephan in seiner Laudatio.

Gesundheit von Mensch und Tier

Die globale SARS-CoV-2-Pandemie hat es deutlich und schmerzlich vor Augen geführt: Die Gesundheit von Menschen und Tieren ist aufs Engste verzahnt. Über die Hälfte aller Infektionskrankheiten ist zoonotisch, das heisst sie springen von den Tieren auf die Menschen (oder umgekehrt) über. Um dieses Risiko zu minimieren, braucht es die inter- und transdisziplinären Ansätze wie «One Health», welche die Gesundheit von Menschen und Tieren verknüpft. Bereits in den 1990er-Jahren arbeiteten Marcel Tanner mit Jakob Zinsstag und seinem Team unter dieser Prämisse. Im zentralafrikanischen Tschad etablierten sie mit den lokalen Partnern gemeinsame Impfdienste für Menschen und Rinder bei den Nomadenvölkern in der Sahel-Zone. «One Health ist ein Versorgungsprozess des Gesundheitssystems, der nicht nur zum Wohlbefinden von Mensch und Tier und damit auch zu nachhaltigen Ökosystemen führt, sondern sich längerfristig auch als äusserst kosteneffizient erweist», sagt Tanner.

Von der Inter- zur Transdisziplinarität

Eine gleichzeitige Betrachtung von Human- und Veterinärmedizin zwingt einen dazu, Forschungs- und Umsetzungsprogramme innerhalb der Öko-, Sozial-, und Gesundheitssysteme der Länder des Südens zu verankern. Dazu bedarf es nicht nur einer ernst gemeinten Forschungspartnerschaft, sondern auch neuer wissenschaftlicher Herangehensweisen. Wie zum Beispiel transdisiplinäre Ansätze, welche das Wissen der lokalen Bevölkerung bei der Lösung gesellschaftlicher Probleme berücksichtigt. Für die Transdisziplinarität hat sich Marcel Tanner auch bei den Akademien eingesetzt und wurde 2016 mit dem «swiss-academies award for transdisciplinary research» in der Kategorie «life-time achievement» ausgezeichnet. Ein jüngstes Beispiel ist das TD-Mooc, der weltweit erste Online-Kurs über transdisziplinäre Forschung, der auch in bestehende Kurse, Vorlesungen und Seminare integriert werden kann.

Mutual Learning for Change

«Gerade auch die SARS-CoV-2-Pandemie zeigt deutlich, wie wichtig die inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen, Institutionen und Entscheidungsträger über alle Grenzen hinweg ist», sagt Marcel Tanner. Als Mitglied des Advisory Boards der wissenschaftlichen National COVID-19 Science Task Force berät er den Bund bei seinen Massnahmen zur Bewältigung der Krise. «Ich freue mich über die grosse Auszeichnung der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich, doch sind es nicht die Einzelleistungen die zählen, sondern das gemeinsame Agieren und voneinander Lernen, die uns weiterbringen».

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Über Marcel Tanner

Studium der Biologie, Chemie und medizinische Mikrobiologie/Immunologie an der Universität Basel. Dissertation im Fach medizinischer Zoologie über die Afrikanische Schlafkrankheit. Die Faszination für die Erreger von Tropenkrankheiten brachte ihn an die zentralen Schauplätze in Afrika: Nach Kamerun und Liberia (1979), später nach Tansania (1981–1984), wo er die Leitung des damaligen Feldlabors des Schweizerischen Tropeninstituts übernahm. Die Arbeit mit und bei den Menschen vor Ort öffnete ihm die Augen dafür, dass ein rein biologisches Verständnis von Krankheiten und deren Erregern nicht reichte. Parallel dazu braucht es eine Stärkung lokaler, regionaler und nationaler Gesundheitssysteme. Im Auftrag der Regierungen von Tansania und der Schweiz implementierte er grosse Gesundheitsprogramme im Bereich der Gesundheitsplanung und der Ausbildung von Gesundheitspersonal.

Nach einem Master in Public Health an der London School of Hygiene & Tropical Medicine (1986–1987) widmete er sich zahlreichen Forschungsarbeiten der Epidemiologie und Bekämpfung infektiöser Krankheiten (vor allem Malaria). Daneben betreute er im Auftrag der Deza grosse Gesundheitsprogramme und Forschungsprojekte in ländlichen und städtischen Gebieten von Tansania und Tschad. Er war massgeblich an der Entwicklung von Malaria-Impfstoffen (SPf66, RTS,S) für Afrika beteiligt. Von 1996–1997 und 2009–2010 nahm Marcel Tanner regelmässig Lehr- und Forschungsaufenthalte an der Universität von Queensland (Australien) und am Papua New Guinea Institute for Medical Research wahr.

Der ordentliche Professor und Dekan der Historisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel (2002–2004) leitete das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut (Swiss TPH) zwischen 1997 und 2015. Während seiner Amtszeit entwickelte er das Swiss TPH zu einem weltweit anerkannten Institut der globalen Gesundheit. Marcel Tanner ist Mitglied vieler nationaler wie internationaler Gremien und Beiräten auf den Gebieten der Gesundheitsplanung (in Nord und Süd), Public Health und Bekämpfung und Eliminierung von Krankheiten der Armut und der vernachlässigten Tropenkrankheiten.

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