• 24.07.2017
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Ausgestorbene Pferdepocken-Viren im Labor nachgebaut

Pockenvirus (Variola) im Elektronenmikroskop
Image: Sanofi Pasteur
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Pockenvirus (Variola) im Elektronenmikroskop
Pockenvirus (Variola) im Elektronenmikroskop (Image: Sanofi Pasteur)

Die Herstellung des nahe mit den gefährlichen menschlichen Pocken verwandten Virus gibt Diskussionen über das Missbrauchspotential der Synthetischen Biologie erneut Auftrieb.

Kanadischen Forschenden ist es anscheinend gelungen, die in der Natur ausgestorbenen Pferdepocken im Labor nachzubauen. Die dazu nötigen DNA-Bausteine bestellten sie ganz legal bei einer grossen deutschen Firma, die Gensynthesen anbietet. Die Pferdepocken gelten für den Menschen als harmlos. Hingegen scheint es nun klar, dass mit derselben Methode auch die menschlichen Pockenviren zurückgebracht werden können. Die Pocken konnten dank einem weltweiten Impfprogramm, welches Jahrzehnte gedauert und Milliarden von Dollars gekostet hat, in den 1970er Jahren ausgerottet werden. Zuvor waren sie während Jahrtausenden eine gefürchtete Seuche, die noch im 20. Jahrhundert weltweit jedes Jahr mehreren Millionen Menschen das Leben kostete.

Die Forschungsarbeit, welche demnächst in einem Fachjournal publiziert werden soll, kommt für einige Wissenschaftler wenig überraschend. Bereits 2002 synthetisierten Virologen nämlich das Poliovirus aus handelsüblichen Synthesebausteinen. Das Erbgut des Pocken-Virus ist allerdings 30 Mal grösser als jenes des Poliovirus und weist eine komplexere Struktur auf. Die Herstellung der Pockenviren galt deshalb trotz den Vorarbeiten an anderen Virenarten als technische Herausforderung. Doch nun gehen Experten davon aus, dass es für ein durchschnittliches Forschungsteam mit relativ geringem finanziellem und zeitlichem Aufwand (100'000 US $, 6 Monate) möglich wäre, auch die menschlichen Pocken nachzubauen. Dies weckt erneut Befürchtungen, dass Terroristen oder sogenannte „Schurkenstaaten“ die Synthetische Biologie für Biowaffen missbrauchen könnten. Und auch die Diskussion, ob und in welchem Rahmen Forschung mit „doppeltem Verwendungszweck“ (Dual-use) durchgeführt und kommuniziert werden soll, bekommt weiteren Auftrieb.

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