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30.7.2018: Recherche suisse

Stickstoffeinträge beeinträchtigen die Symbiose von Mykorrhiza und Waldbäumen

Les apports d'azote nuisent à la symbiose des mycorhizes et des arbres forestiers



Sietse Van der Linde et al.

Die Luftverschmutzung beeinflusst die Pilze im Boden, die Waldbäumen Mineralstoffe liefern, stärker als bisher angenommen. Insbesondere Stickstoffeinträge – die zum Grossteil aus der Landwirtschaft stammen – können die Mykorrhiza und über diese auch den Ernährungszustand und die Gesundheit der Bäume beeinträchtigen. Für die Schweizer Wälder sind diese Befunde von Bedeutung, liegen doch die Stickstoffeinträge in grossen Teilen der Schweiz nahe dem oberen Grenzwert. Die Grenzwerte müssen vermutlich nach unten korrigiert werden.

La pollution de l'air affecte les champignons du sol qui fournissent aux arbres forestiers des minéraux plus fortement que l’on avait supposé. En particulier, les apports d'azote, provenant principalement de l'agriculture, peuvent affecter les mycorhizes et, à travers eux, la nutrition et la santé des arbres. Ces résultats sont très importants pour les forêts suisses, car les apports d'azote se trouvent dans une grande partie de la Suisse proches de la valeur limite supérieure. Les valeurs limites devront probablement être corrigées à la baisse.


WissenschaftlerInnen haben 40'000 Wurzeln aus 13‘000 Waldbodenproben genetisch untersucht. Die Proben stammen aus einem riesigen Langzeitmessnetzwerk aus 20 europäischen Ländern. Darunter befinden sich auch fünf Waldflächen in der Schweiz. Die Studie ist die erste dieser Grösse, welche die mit Bäumen in Symbiose lebenden Mykorrhizapilze detailliert untersucht. Zu den Mykorrhizapilzen, welche die Bäume mit Nährstoffen versorgen und dafür von diesen Zucker erhalten, gehören unter anderem viele bekannten Arten wie Steinpilz, Fliegenpilz oder Trüffel.
Die Studie auf insgesamt 137 Flächen ermöglicht es den Forschenden, grossflächige Trends bei den Mykorrhizapilzen zu identifizieren, inklusive ihrer Toleranz gegenüber Luftverschmutzung. Dabei zeigte sich, dass die Stickstoffeinträge aus der Luft sowie das Klima den grössten Einfluss auf die Pilze haben, nebst den Eigenschaften der Bäume selbst. Besonders Stickstoffeinträge hemmen die Symbiose von Pilz und Waldbaum und beeinträchtigen in Folge den Ernährungszustand und die Gesundheit der Waldbäume. Ein bedeutendes Resultat dieser Studie ist damit auch, dass die europäischen Luftverschmutzungs-Grenzwerte vermutlich viel zu hoch sind.
In der Schweiz werden die Stickstoffeinträge insbesondere durch Ammoniak aus der Landwirtschaft verursacht. In vielen Gebieten und in 95% unserer Wälder sind sie so hoch, dass kritische Eintragswerte überschritten sind und empfindliche Lebensräume sich in Folge verändern. Die neuen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die bisherigen Grenzwerte in der Schweiz zu hoch sind; die Eintragswerte dürften deshalb noch in viel mehr Ökosystemen die kritische Höhe überschreiten. Wenn die Grenzwerte herabgesetzt würden, dann wären deutlich grössere Anstrengungen nötig, um die Luftreinhalteziele in der Schweiz einhalten zu können.

Quelle: WSL

Mots-clés :
Luftverschmutzung, Mykorrhiza-Pilze, Waldbäume

Type de publication:
publication spécialisée

Littérature :
Van der Linde, S. et al. (2018): Environment and host as large-scale controls of ectomycorrhizal fungi. Nature 558: 243-248. DOI: 10.1038/s41586-018-0189-9
https://www.dora.lib4ri.ch/wsl/islandora/object/wsl:17428
https://www.wsl.ch/de/newsseiten/2018/06/luftverschmutzung-und-waldpilze.html#tabelement1-tab4

Adresse de contact :
Dr. Peter Waldner, WSL, Birmensdorf
peter.waldner@wsl.ch
Tel: +41 (0)44 739 25 02


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