Aus Hurrikan wurde Tiefdruckgebiet Ida

Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf tropische Wirbelstürme?

Ouragan vu de l'espace
Image : M. Fincke (NASA)

Der Kategorie-4-Hurrikan Ida hat grosse Schäden in Louisiana verursacht. Mit dem Verlassen des Golfs von Mexiko wurde aus dem tropischen Wirbelsturm Ida ein Tiefdruckgebiet in den mittleren Breiten. Danach zog Ida über Kentucky und West Virginia hinweg und hat New York hart getroffen. Dort gab es gemäss dem US National Weather Service NY einen neuen lokalen Rekord beim Stundenniederschlag von 80 mm (3,15 Zoll) und Überschwemmungen. Der Notstand wurde ausgerufen. Über zwei Tage ist dort mehr als das Doppelte des Regens gefallen, der normalerweise in einem ganzen September fällt.

Die mögliche Zunahme der Intensität tropischer Wirbelstürme mit der globalen Erwärmung wird vor allem auf zwei Faktoren zurückgeführt. Erstens hat wärmeres Oberflächenwasser ein grösseres Verdunstungspotenzial und setzt daher beim Kondensieren zu Wolken mehr Energie frei. Zweitens kann eine wärmere Atmosphäre mehr Feuchtigkeit enthalten, gemäss der Clausius-Clapeyron-Beziehung etwa 7% mehr pro Grad Erwärmung. Damit nimmt die verfügbare Energie und das Niederschlagspotential von Hurrikanen zu. Jüngste Studien haben sogar gezeigt, dass die Zunahme der Niederschlagsintensität bei tropischen Wirbelstürmen grösser sein könnte als die genannten 7% pro Grad Erwärmung (Liu et al. 2019 ). Die beiden oben genannten Faktoren bedeuten nicht, dass es mehr tropische Wirbelstürme geben wird, sondern dass der Anteil der stärksten Wirbelstürme zunimmt. Schliesslich ist durch den Anstieg des Meeresspiegels die Gefahr von Überschwemmungen durch Sturmfluten im Zusammenhang mit Hurrikanen ebenfalls grösser.

Es ist jedoch schwierig, eine Klimatologie über mehrere Jahrhunderte zu erstellen, da die erforderlichen Satellitenbilder erst seit 1980 verfügbar sind, wie in diesem IPSL-Blog (französisch) erläutert wird.

Die genannten Veränderungen dürften sich auch in Europa auswirken: Eine Studie von Haarsma et al. 2013 zeigt, dass es wahrscheinlicher wird, dass Stürme mit orkanartiger Stärke Westeuropa erreichen. Solche Stürme wären tropischen Ursprungs und würden sich wieder verstärken, nachdem sie zu aussertropischen Zyklonen geworden sind.

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